Yvonne Maurer antwortet auf Fragen, die häufig von Zuschauenden und Lesenden gestellt werden:

Was bedeutet „christian Coaching“ wörtlich und wann kommt mal endlicher dieser Christian?

Bereits einige Male riefen mich nicht-Englisch-sprechende Zuschauerinnen an und fragten, wann endlich dieser „Christian COACHING“ in den Sendungen auftrete würde. In einen Herrn dieses Namens, der die TV-Sendungen macht, werde ich mich jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verwandeln.

„christian“ ist das englische Wort für „christlich“.
„Coaching“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Beratung“ oder „Betreuung“.

Frei nach Goethe würde ich gerne wissen, wie halten Sie es mit der Religion?

Ich bin in Basel in einem reformierten und katholischen Elternhaus geboren und wurde als Säugling in einer katholischen Kirche getauft. In der Schweiz gilt die „katholische“ und die „reformierte“ Taufe als gleichbedeutend. Ich bin also getaufte Christin. Das ist mir wichtig. Von der katholischen Seite gibt mir bis heute die Tradition der Klöster und der Meditation ein heimatliches Gefühl. Von der reformierten Seite hörte ich früh wie wertvoll die Bibel als aufstellender Hoffnungsträger ist.

Was die Zugehörigkeit zu einer christlich-kirchlichen Institution betrifft, möchte ich heute allerdings nicht vorschnell in eine Schublade gesteckt werden. Kirchliche Institutionen weisen meiner Meinung nach viele Mängel und Unvollkommenheiten auf. Diese kommen zustande, da Kirchen immer auch weltliche Institutionen sind, die in wirtschaftliche, kulturelle und politische Belange eingebunden sind. Ich sage daher manchmal, ich sei „neu-katholisch“ und beziehe mich damit auf eine zukünftige Kirche, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte hoffentlich ihre weltlichen Schwächen ablegen wird. Jedenfalls ist mir wichtig, keine einsame Privatreligion zu leben, die ich mit niemandem teilen kann.

Als „neu“-katholische Christin glaube ich an die eine grosse christliche Kirche, gelebt in vielen Gemeinden und Traditionen, die alle auf die Bibel zurückgreifen. Ich denke, dass die Kirche Jesu Christi so ihr Freiheitspotential ausschöpft, um das grosse Faszinosum Gottes, des Einen in drei Personen, in vielfältiger Weise einzufangen.

Sie sind Ärztin und Theologin. Ist es für Sie nicht schwierig, Glaube und Wissenschaft zusammenzubringen?

Ich kann beides sehr gut miteinander vereinbaren. Denn weder stülpe ich den christlichen Mantel über die säkularen Wissenschaften, noch die aktuellen wissenschaftlichen Trends über die christliche Offenbarung.

Ich sehe den Menschen als  geistiges und körperliches Wesen, geschaffen durch Gott, und damit als Einheit. Religion und Wissenschaft sind für mich daher zwei, nebeneinander sich ergänzende und insofern gleichberechtigte Perspektiven, den Menschen in seiner Ganzheit zu fassen. Humanwissenschaftlich anerkannte Fakten aus Psychologie und Medizin sind dafür genauso wichtig wie theologische Glaubensansätze. Es besteht sogar eine gegenseitige Beeinflussung. So zeigen viele wissenschaftliche Studien, dass eine religiöse Lebenshaltung für Menschen gesundheitlich förderlich sein kann.

Übrigens ist im Konzilstext „Über die Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et Spes, 1965) zu lesen: „In der Seelsorge sollen nicht nur die theologischen Prinzipien, sondern auch die Ergebnisse der profanen Wissenschaften, vor allem der Psychologie und der Soziologie, wirklich beachtet und angewendet werden (…).“ (GS §62/12). Dies mit der Zielsetzung zu einem reiferen Glaubensleben zu kommen. Auch wenn ich eher von theologischen Ansätzen sprechen würde, so zeigt das Zitat doch, dass auch die katholische Kirche in ihrem Dienst am Menschen Glaube und Wissenschaft inzwischen zusammenbringen möchte.

Werden Sie von einer Kirche finanziell unterstützt?

Nein, ich bin auf Personen angewiesen, denen ich mit meinen Sendungen und Büchern aus dem Herzen spreche und deren Gedanken und Anliegen in die gleiche Richtung gehen. Diesen Menschen bin ich für ihre wertvolle Unterstützung sehr dankbar.